Kategorien
Allgemein

Keine echten Schwaben?

Ich fass mal ganz subjektiv zusammen: 500 Randaleur:innen machen eine Polonaise der Gewalt durch die Stuttgarter Innenstadt. Alle sind bestürzt, da das mit ihrem Bild des beschaulichen Stuttgarts nicht zusammenpasst. Zur Ehrenrettung des kehrwöchlichen Schwabenbildes behauptet der Polizeichef, man hätte beim Krawallieren kaum schwäbisch gehört. Trotzdem haben viele der Festgenommenen einen deutschen Pass.

Aber halt! Jetzt muss unterschieden werden. Die Polizei ermittelt, ob auch die Eltern einen deutschen Pass haben – und siehe: Das waren gar keine echten Schwaben! Und man stellt auch noch fest, dass Linksautonome zwar nicht festgenommen wurden, aber durchaus und erlaubterweise auch in der Stadt waren. Wenn man ihnen schon nichts nachweisen kann, so kann man wenigstens das Feindbild füttern.

Die eher linke Seite Stuttgarts wittert Rassismus, da die Herkunftsnachforschungen eigentlich klassisches Hetzmittel der AfD sind um endlich mal nachweißen zu können, dass Multikulti der Untergang des Abendlandes sei. Die Polizei rechtfertigt ihr Vorgehen damit, dass die sozialen Milieus der Randaleur:innen zum Beispiel wichtig für die Strafmaßermittlung seien. Den sozialen Sprengstoff ihrer Aussagen nehmen sie ignorierend in Kauf.

Für die Konservativen ist wiederum klar: Wer die Polizei kritisiert, sei kein Staatsfreund und somit grundsätzlich verdächtig. Das ganze wird bundesweit von der Presse begleitet, weshalb man sich gegenseitig in die Schuhe schiebt, Stuttgart in ein schlechtes Licht zu rücken. Im Rathaus geht’s dann erst richtig rund. Die einen kritisieren, die anderen fordern Rücktritte, weil kritisieren kritisch gesehen wird. Der Ton wird rauer, die Bandagen härter.

Kein Wunder: Die Oberbürgermeisterinnenwahl steht vor der Rathaustür. Es geht um die Deutungshoheit, was dieses Stuttgart eigentlich sein soll. Ein offener Diskurs darüber wird immer unwahrscheinlicher, denn mit Schaum vor dem Mund redet es sich schlecht.

Als OB würde ich die ganze Bande mal – natürlich coronakonform – in einen Raum sperren und sich austoben lassen. Danach könnten wir mal Wunschdenken und Istzustand unserer schönen Stadt abgleichen und gemeinsam überlegen, wie wir das Miteinander aller die hier leben – ungeachtet irgendwelcher Pässe – am besten gestalten.

Von Dora Asemwald

Ich bin virtuell real.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s